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Die USA hätten das Glück, dass der Rest der Welt willens sei, auf Konsum zu verzichten und das amerikanische Defizit zu finanzieren. Wenn der Rest der Welt dazu einmal nicht mehr bereit sei, dann würden die Amerikaner schon von selbst mit dem Sparen und dem Schuldenabbau anfangen müssen.
China und andere Schwellenländer haben tatsächlich ein großes vitales Interesse daran, dass die US-Verbraucher, zumindest im gleichen Umfang wie bisher, weiter konsumieren und den Warenüberschuss der Welt zum großen Teil absorbieren, denn das hat den Schwellenländern tatsächlich einen großen Teil ihres bisherigen Wachstums beschert.
Moralische Begriffe wie „Dankbarkeit“ oder „Schuld haben“ waren aber noch nie ausschlaggebend für Investitionsentscheidungen. Aus dem Munde eines der einflussreichsten Finanzexperten der USA klingen sie wie der hilflose Versuch, die „Verschwendungssucht“ der Vereinigten Staaten und den verschwenderischen Umgang der Amerikaner mit Energie, Ressourcen und mit der Umwelt ohne Rücksicht auf kommende Generationen zu rechtfertigen.
Profitieren tun eigentlich viele von der „globalen Arbeitsteilung“ zwischen einem eher am Konsum und den Finanzen orientierten Land und einem eher Güter produzierenden Land, die sich weltweit herausgebildet hat. Die amerikanischen Verbraucher sind glücklich, wenn sie konsumieren können. Die Warenhäuser freuen sich über den Umsatz. Die Banken profitieren vom Kreditgeschäft und Geldumlauf. Die US-Regierung ist glücklich über anhaltendes Wachstum. Die chinesischen Unternehmen machen, mittlerweile auch im Alleingang oder in enger wirtschaftlicher Kooperation mit amerikanischen Konzernen, glänzende Geschäfte. Die Weltwirtschaft wächst und wächst.
Wenn da nicht diese bedrohlichen globalen Ungleichgewichte wären, die im Gleichschritt und unaufhaltsam, so scheint es, mitwachsen. Noch haben sie keinen Schaden angerichtet.


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