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Das US-Handelsdefizit ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, weil die USA zunehmend mehr importieren, als sie exportieren. Ebenso wächst das Leistungsbilanzdefizit der USA von Jahr zu Jahr, weil die Amerikaner mehr Geld ausgeben und verbrauchen, als sie besitzen. Die Amerikaner leben offensichtlich über ihre Verhältnisse, vergeuden wertvolle Ressourcen und vernachlässigen die Umwelt. Das amerikanische Wachstum ist ungesund.
Dennoch kann nach Meinung der Finanz- und Wirtschaftselite der USA die konsumgetriebene, amerikanische „Wachstumslokomotive“ nur so am Laufen gehalten und eine weltweite Überproduktion verhindert werden. Eigentlich müssten die am Export orientierten Länder den USA dankbar dafür sein, weil diese die weltweite Überproduktion absorbieren, die China und anderen Exportländern so viel Wachstum beschert.
In einem Artikel von Ben Bernanke, dem neuen Chairman der amerikanischen Zentral- und Notenbank wird die These vertreten, dass ein Großteil der Welt unter einer akuten „kollektiven Sparwut“ („saveings glut“) leidet. Der ehemalige Gouverneur des Federal Reserve Board in Washington und Vorsitzender des Council of Economic Advisors, versucht in seinem Beitrag, die „Schuldigen“ für die Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft zu finden. Nach Bernanke ist der Rest der Welt der Sparwut verfallen und reduziert den heutigen Konsum zugunsten späteren Konsums. Den USA bleibe leider nichts anderes übrig, als den eigenen Konsum zu erhöhen. Glücklicherweise träten die USA in dieser Situation als letzte Rettung, als „consumer of last resort“, auf.
Dem gegenüber ist eine andere Sicht der Dinge vorherrschend, der zufolge das hohe Leistungsbilanzdefizit der USA, als die amerikanische Seite der globalen Ungleichgewichte, auf zu hohe Verschuldung und eine historisch niedrige Sparquote zurückzuführen ist, sowohl der privaten als auch der öffentlichen US-Haushalte.

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