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Die chinesischen Verhandlungspartner verstehen es bestens, ihre Stärken zu nutzen und die erbitterte Konkurrenz der global aufgestellten Unternehmen untereinander zu ihrem Vorteil zu nutzen, was im Rahmen des freien Marktes durchaus üblich ist.
Wenn die chinesische Regierung in das Wirtschaftsgeschehen durch gezielte Kreditvergabe und Sicherstellung von Investitionen eingreift, um den technischen Fortschritt und das Wirtschaftswachstum im Lande zu fördern, dann bringt sie eher die Interessen der eigenen Bevölkerung zur Geltung als die Profitinteressen privater Investoren.
Die chinesischen Angebote an ihre Geschäftspartner in den USA, wie Boeing oder Microsoft, sind oft so verlockend, dass es den Unternehmen schwer fällt, sie auszuschlagen. Immer mehr steht die chinesische Nachfrage nach Hochtechnologie im Vordergrund, während die großen Konzerne ihre Monopolstellung im Technologiebereich verteidigen. Technologie wird nicht verkauft, sondern nur die Anwendungen. Sie ist nicht im Angebot der Unternehmen enthalten, werden aber von China verstärkt nachgefragt. Deshalb versucht die chinesische Regierung ihre Nachfrage nach Know-how mit ihrer Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen untrennbar zu verknüpfen. Das kann sie aber nur, wenn sie die Konkurrenz zwischen den Konzernen auf den globalen Märkten nutzt und die Angebote so attraktiv gestaltet, bis einer der Wettbewerber nicht mehr ablehnen kann.
Hilfe suchend wandte sich die deutsche Industrie im Mai diesen Jahres an die Bundeskanzlerin Frau Merkel aus Anlass ihres Chinabesuchs und beklagte sich, dass die deutsche Industrie verstärkt unter „politischem Druck“ der chinesischen Regierung zum Technologietransfer leide.
Es gebe Fälle, bei denen ausländische Investoren durch Gesetze, Auflagen oder andere Regelungen zum Technologietransfer „gezwungen“ würden. Es gebe Branchen wie die Automobilindustrie, in denen ausländische Bieter genötigt würden, Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Firmen, so genannte „Joint Ventures“, einzugehen.

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