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Andernfalls wollen sich die Entwicklungsländer dem globalen Paket von Handelsliberalisierungen für Industrieprodukte, Nahrungsmittel und Dienstleistungen verweigern.
Die Forderungen nach einer konsequenten Liberalisierung werden so kompromisslos vorgetragen, daß man den Eindruck gewinnen könnte, ein Kompromiss sei für die Mehrheit der Entwicklungsländer derzeit gar nicht mehr erstrebenswert. Es scheint eher so zu sein, daß das Interesse der Schwellen- und Entwicklungsländer an einem globalen Konzept von „Freihandel“, bei dem die Industriestaaten bisher den Ton angegeben haben, in den letzten Jahren rapide gesunken ist.
Die Entwicklungsländer demonstrierten auf der Welthandelskonferenz 2005 einen neuen Schulterschluss. Mehr als 110 Länder solidarisierten sich gegenüber den Industriestaaten und konnten so ihren Forderungen mehr Nachdruck verleihen. „Das wäre ohne diese Einheit unmöglich gewesen“, sagte Brasiliens Außenminister Celso Amorim. Die einst so uneinige und zaghafte „Dritte Welt“ ist eine Macht am WTO-Verhandlungstisch geworden – und sie pocht auf ihre Rechte.
Ihre Wortführer sind Brasilien und Indien, aber auch China, die sich ihrer Stärke als Schwellenländer zunehmend bewußt geworden sind und sich mehr der „Dritten Welt“ zugehörig und verbunden fühlen als etwa der G7 der führenden Industriestaaten oder der OECD. Zusammen mit China bilden die führenden Entwicklungsländer Brasilien, Indien, Mexiko und Südafrika die so genannte
„G 5“, die hohe Wachstumsraten und steigenden internationaler Einfluss aufweisen können.
Statt sich also auf die Seite der Industrienationen zu schlagen, sieht China seine Zukunft an der Seite der Schwellen- und Entwicklungsländer. Das Reich der Mitte sieht seine Interessen besser im Einklang mit den anderen Schwellenländern vertreten.

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