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Wie sich in der Welt die Kräfteverhältnisse verschieben.



Der Streit um den „Freihandel“ in der Welthandelsorganisation



Die Verhandlungen Ende 2005 in Hongkong im Rahmen der Welthandelskonferenz (WTO) sollten nach der „Schlacht von Seattle“ 1999, der Doha-Runde 2001 und Cancún 2003, wo sich die G20-Länder unter Führung von Brasilien und Indien besonders hervortaten, nun endlich zur Marktöffnung für Industrieprodukte und Dienstleistungen, für Banken, Versicherungen und Telekommunikation und somit zum vollständigen Abbau der weltweiten Handelsbarrieren führen.
Das Ringen zwischen den Industriestaaten auf der einen Seite und den Schwellen- und Entwicklungsländern auf der anderen ist im Rahmen der Welthandelskonferenz aber nur mit Teilerfolgen zu Ende gegangen und gilt zwischenzeitlich als gescheitert.
Teilnehmer der Konferenz berichteten von einer sehr gespannten Atmosphäre untereinander. Zu erheblichen Konflikten sei es insbesondere zwischen der EU und Brasilien als einem Vertreter der G20-Staaten gekommen. Die G20-Staaten hatten die EU gedrängt, die Agrar-Exportsubventionen bis 2010 aufzuheben und die Zölle für Agrarprodukte stärker zu senken.
Schon vor Jahren hatte es bei der Uruguay-Runde (1986 bis 1994) Zollsenkungen gegeben, doch diese begannen von einem hohen Tarifniveau aus, und die Industriestaaten, die ihren Agrarsektor durch massive Subventionen abschotteten, hatten dabei Spielraum: Sie konnten bei einigen Gütern den Zoll stark senken, an anderer Stelle jedoch hohe Tarife belassen. Mit diesem legalen Trick erfüllte man den Durchschnittssatz der Uruguay-Formel.
Nun jedoch wollen die großen Agrarexporteure wie etwa Brasilien und Argentinien eine ehrliche und klare Formel ohne Schlupflöcher. Eine starke Gruppe von Schwellen- und Entwicklungsländern ist zunehmend selbstbewußter geworden und will die staatlichen Subventionen der Industrieländer in Milliardenhöhe für den Agrarbereich nicht mehr tolerieren. Die „Reichen“ sollen die Agrarfestungen Europa, USA und Japan schleifen und ihre milliardenschweren Agrarsubventionen abbauen.

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